2026 WHITESIDE IS CALLING
"Als Künstler stehen wir immer vor der Herausforderung, nicht primär in Hierarchien und Gefährdungslagen, in Altersgruppen oder eigener Wichtigkeit zu denken. Vielmehr steht der Prozess, die Begegnung selbst im Mittelpunkt. Der Ort und die Gruppe sind das Thema. Jeder Künstler hat die Freiheit, das zu tun, was er will. Verbindungen werden entwickelt, neue Ideen und Gelegenheiten entwickelt. Wir bleiben in Bewegung. Was bleibt sind dauernder Wandel im Sehen und Fühlen". Aus Salem2Salem
LAST DAYS
Ein warmer Samstag im Garten. Ich liege neben meiner Enkelin Tilda in einer Strandmuschel, dazwischen die Toni-Box. Wir hören "Elsa", eine Figur, die viele dreijährige Mädchen dieser Zeit bezaubert und in unerreichbare Welten entführt. Mit Ausnahmen. "Du hast blaue Augen", sagt Tilda in die wilden Geschichten hinein. "Ich auch, der Lars auch und die Mama auch. Nur Nicola hat schwarze!" Na klar, ist Italiener.
Nach unserer abendlichen Ankunft in Whiteside konnte ich nicht wiederstehen, mit meinem neuen Reisegewand, beigen ultraweichen Jogpants, dazu passendes, ultraweiches Shirt direkt ins Bett zu fallen. Zu wenig Energie am Abend die verpackten Kartons aus dem Keller zu holen. Am nächsten Morgen eignet sich der Anzug auch noch fürs Frühstück im Freien… Walter meint, dass würde ja vielleicht Formen annehmen! Und schon sind die ersten Renovierungsarbeiten angesagt und ich ziehe mich um.
MORNING IN WHITESIDE

Die ersten Sonnenstrahlen berühren die Spitzen der Fichten. Wir trinken unseren ersten Kaffee auf dem Deck. Unwirkliche Stille umfängt uns. Das Wasser spiegelglatt. Dann zeichnen die ersten Windfahnen dunkle Streifen aufs Wasser. Es lohnt sich, um sechs Uhr aufzustehen, was unserem Jetlag geschuldet ist. Die Hummingbirds finden sich ein, trinken gierig am Zuckerwasser. Mit einer leichten Brise ist ein Mövengeschwader laut schreiend vom Westen her kommend im Anflug. Dazu ein paar Krähen mit ihrem typischen Gekreische. Dann unverkennbar der lauteste von allen, ein junger Adler! Ihn geht das Ganze scheinbar nichts an, gleitet ohne einen Flügelschlag flach über die Bucht und lässt das aufgeregte Gezeter und Geflatter hinter sich. Ich werde wieder ein Ei auslegen…

STORM DAMAGE
Ein erster Rundgang im Gelände. Sichtung von Sturmschäden. Wo ist was, wann zu tun? Einer der weißen, seit langem toten Bäume hat nun endlich mit den Herbststürmen des letzten Jahres seinen Weg gefunden. Er hing etliche Jahre bedrohlich nah an unserer Wendemöglichkeit fürs Auto in den Wipfeln nebenstehender Bäume fest. Nun liegt er in bequemer Höhe und wird in Kürze in praktisches Feuerholz zerlegt… Wäre da nicht noch ein zweiter, etwas kleinerer, völlig ausgedörrter, weißer Stamm, bedrohlich und leicht nach vorne gekippt, direkt daneben. Da werde ich meinen Helm brauchen! Vielleicht lasse ich auch alles, wie es ist.
THE ACCOUNT
Account number, Member number, Access-Code und nicht zu vergessen, die exakte Schreibweise sämtlicher Vornamen. Hier kann man schon mal durcheinander kommen. Die digitale Welt verzeiht keine Unachtsamkeit! Nach einer Schrecksekunde, die einherging mit lauten Flüchen, konnten wir nach genauer Analyse der Details und mit Hilfe der Bank in St Peters die Sachlage klären. Thema gelöst - Dann bricht die Sonne durch die Wolken!
Abends grasen zwei Weißwedelhirsche am unteren Wiesenrand und springen dann leichtfüßig ins Dickicht am Waldrand.

PEST ALARM!
Am späten Nachmittag sichte ich eine Waldameise auf dem Küchenboden! Sie gehören zu den Black Carpenter Ants und werden bis zu 26 mm groß. ALARM! Sie ist groß. Nicht zu übersehen. Walter entdeckt Stunden später auch eine, die er mit der Faust niederstreckt, wobei danach eine kommt, die die getötete abholt!
Eine Nachfrage bei Wikipedia Canada "How to get rid of Ants" ergibt, dass man gegen Abend mit einem Stethoskop deren Aktivitäten in den Hauswänden hören könnte! Mit einem Weinglas würde das auch gehen. Soweit sind wir nicht!
Ich werde eine großangelegte Aktion starten. Das Gras an den Hausrändern wird beseitigt und mit einer aggressiven Spülmittel-Essig-Zucker-Wasser-Lösung besprüht, das vermeidet Ameisennester direkt am Haus. Auf unserem Grundstück konnte ich acht bewohnte Ameisenhügel im Bereich der Wiese ausmachen, davon drei neue. Allerdings sind die von kleineren Ameisen bewohnt und sehen eher aus wie unsere zuhause. Alle schön weit weg, am Waldrand! Scheint heuer ein Ameisenjahr zu werden. Dafür gibt es dieses Jahr wenig Spinnen, wofür ich ausgesprochen dankbar bin!

CHIP ON THE WINDSHIELD
Auf unserer Fahrt nach St Peters bekommen wir einen Steinschlag auf die Windschutzscheibe. Das passiert hier bei den Gravel Roads anscheinend öfter, da hier mehrere Firmen von der Reparatur leben kann. In Port Hawkesbury bei PAUL`S bekommen wir Hilfe. Kleiner Smalltalk, dann bietet mir die nette Dame im Wartebereich Kaffee und einen Lollie an. Es würde nicht lange dauern, den > Chip on the Windshield < reparieren zu lassen. Neben dem Glas mit den Lollies gibt es ein weiteres Glas mit Hunde-Leckerlies. Die Dame an der Theke gibt augenzwinkernd zu, dass sie womöglich mehr Zeitvertreib für Hunde anbieten, als für Kinder. Ich bekomme den Wagen mit sauberst geputzter Scheibe zurück! Wie neu!
HIGHTIDE
Die Zeit ist günstig. Es ist Hightide, das Wasser steht zwei Meter über normal Null. Das Boot muss ins Wasser. Egal, dass es mit 8 Uhr morgens eigentlich noch recht früh ist. Frühstück? Ne, erstmal rein in den Neopren, Handschuhe an, noch eine warme Hose darüber. Badeschuhe. Der Wind steht sehr günstig und so bewahrheiten sich Walters Berechnungen (ist nicht immer so!), dass alles leicht zu bewältigen ist. Wir können das Boot mit zwei Leinen in den Brook lotsen, auf der dafür vorgesehenen Matte hochziehen und am Baum festbinden. Ich stelle fest, dass sämtliche Kenntnisse über Knoten wieder weg sind. Außer der Eineinhalbfache Rundtörn mit zwei halben Knoten. Der geht immer. Unser John Deere Rasenmäher hat eine Anhängerkupplung und so können wir dann leicht den Trailer zum Wasserplatz ziehen. Abgespült. Fertig! Toll, wenn mal etwas einfach so gelingt!